Die Urlaubsplanung liegt an. Was soll man seinen Kindern (13 – 15 Jahre) bieten? Sie möchten natürlich am liebsten Strand und Club, aber das ist uns zu langweilig. Wie oft werden Sie denn noch mit uns verreisen und dann so ein austauschbarer Cluburlaub!? Nein, wir entscheiden uns für etwas anderes. Etwas, dass noch nachhaltig in Erinnerung bleiben soll. (Trekking Marokko)

Durch eine Trekkingtour im Tal der Glückseligen habe ich einen guten Kontakt zu Yasin, einem marokkanischer Wanderführer, aufgebaut. Mit Ihm zusammen plane ich unser kleines Abenteuer M´Goun Trekking. Drei weitere Familien schließen sich an, sodass 8 Erwachsene und 9 Jungs zwischen 10 und 17 gemeinsam nach Marrakesch fliegen. (Trekking Marokko)

Wir übernachten in dem schönen Riad Dar Alfahra in der Medina. Die Buben sind aufgeregt und rennen wie die Hühner von einem Zimmer ins andere und sind überwältig von der orientalischen Ausstattung. Sogar ein kleiner Pool im Innenhof lädt zum Baden ein. (Trekking Marokko)

Mit Yasin bespreche ich den nächsten Tag.
Wir haben 4 Jeeps inkl. Fahrer bestellt und nehmen eine Jeeproute ins Ait Bouguemez, das Tal der Glückseligen ein Hochtal auf ca. 1800 m. Die ersten drei Stunden sind wir noch auf normalen Straßen unterwegs, während die Berge des Atlas immer näher rücken. Kurz nach Demnate im Naturpark Imi N´lfri machen wir eine Pause und vertreten uns die Füße mit einen kleinen Rundgang durch die imposante Schlucht. Ein Freund von Yasin bereitet für uns inzwischen ein landestypisches Mittagessen vor. Mit dicken Bäuchen setzen wir unsere Fahrt auf einer schmalen Gebirgsstraße fort. Nur wenig später endet die befestigte Straße. Wir fühlen uns wie in einer ARD Dokumentation. Die Jeeps rumpeln über die Schlaglöcher. Staub steigt auf und die Landschaft wechselt im Minuten Takt. Bewirtschaftete Terrassenfelder wechseln mit schroffen roten Bergflanken, Pässe mit seltsamen lichten Wäldern, Bäume ohne Äste, dann wieder üppiges Grün in den Tälern mit fließenden Wasserläufen. Die Lehmbauten der Dörfer passen sich perfekt der Landschaft an. Ocker, rote und gelbliche Töne überwiegen. Auf den Bergen am Horizont liegt der letzte Schnee vom Winter. (Trekking Marokko)

Der einzige Zugang zu unserer Unterkunft, die Casbah du M’Goun, führt durch den Flusslauf, den wir spritzend mit den Jeeps durchfahren. Die Casbah steht auf einem kleinen Bergrücken, mit Blick über das Tal umgeben von einigen Bauernhäusern. Wir beziehen die einfachen Mehrbettzimmer, DU, WC sind auf dem Gang und erforschen unsere kleine liebevoll eingerichtete Lehmburg. Unser Koch, Mohammed und Ibrahim (Yasins Helfer und Spaßvogel) sind schon ab Marrakesch mitgefahren und bereiten das Abendessen vor. Zu Ehren von Holgers Geburtstag wird sogar ein Kuchen gebacken und mit Flöte und Tamburin stimmungsvoll in Szene gesetzt. (Trekking Marokko)

Am nächsten Morgen akklimatisieren wir uns mit einer Wanderung durch das Tal der Glückseligen. Der Name leitet sich durch die Besonderheit her, dass der Bach das ganze Jahr Wasser führt. Im breiten Talgrund werden die Felder ganzjährig bewässert und im Sommer und Herbst die Früchte geerntet. Yasins Vater hat die ersten Apfelbäume gesetzt und nun findet man überall im Tal Plantagen, da die Äpfel im Gebirgsklima besonders gut gedeihen. Zuerst besteigen wir einen pyramidenförmigen Hügel auf dessen Gipfel eine alte Speicherburg über das Tal wacht. Zur Zeit der Nomaden haben die Einheimischen Wertgegenstände und Saatgut dort in Sicherheit gebracht. Heute klettern wir aufs Dach und erfreuen uns an der schönen Aussicht über das weite Tal. Ein alter Berber ist uns mit seinem Maultier gefolgt und bietet uns auf unserer „Aussichtsterrasse“ einen süßen Tee an. (Trekking Marokko)

Anschließend steigen wir ab und wandern entlang von Feldern und Bachläufen durch das grüne Tal. Anscheinend ist heute Waschtag, denn wir sehen einige Familien, Mütter mit Kindern, die im Bach Ihre Wäsche waschen. Die Bauern pflegen Ihre Felder und Esel, schwer beladen, trippeln mit Ihrer Last den Pfad entlang. (Trekking Marokko)

Nach 4 Stunden treffen wir auf dem Hof von Yasins Vater ein. Die Familie war schon den ganzen Morgen am kochen und wir genießen ein Festmahl mit gegrilltem Hähnchen und süßen Nudeln, in dem orientalisch dekorierten Gastzimmer des Hofes. In Anbetracht des f den langen morgigen Tages entscheiden wir uns per Dolmus zurück zur Casbah zu fahren.

Jetzt erstmal schön duschen, denn die nächsten Tage sind wir mit Zelten unterwegs. Aber schon hört man die ersten Rufe –„kein Wasser“. Die Toilette funktioniert auch nicht.

So ein Mist.

Yasin kümmert sich sofort. Im Ort finden Arbeiten an der Quelle statt. Für die Toiletten werden Eimer mit Wasser geholt, die Buben springen in den kalten Gebirgsbach und einige, so auch ich, belassen es bei einer Katzenwäsche. Die Stimmung ist trotzdem ausgelassen, vielleicht etwas nervös mit Blick auf unseren ersten morgigen Trekkingtag.

Schon um viertel vor sechs klingelt der Wecker. Wir packen alles zusammen und treffen uns im Frühstücksraum. Es ist recht kalt und wir haben alle lange Hosen und Jacken an. Recht ruhig nehmen wir das Frühstück ein schon in Gedanken an unsere lange Tour mit 1000 Höhenmetern und 7 Stunden reine Gehzeit. Wir starten früh um eine möglichst große Strecke in den kühlen Morgenstunden zu schaffen, während sich unsere Helfer um einen gewaltigen Berg an Ausrüstung kümmern. Essen, Trinkwasser, Zelte, Teppiche, Stühle, Schlafsäcke und unsere Taschen .Alles muss mit, da wir die nächsten vier Tage nichts nachkaufen können. Auf 10 Maultieren werden die Lasten verteilt und unsere Begleitmannschaft wächst auf 13 Personen (10 Treiber, 2 Guides, Yasin und Imbrahim und Mohammed der Koch) an. (Trekking Marokko)

Unser erstes Ziel ist der knapp 3000 Meter hohe Pass Tizi n’Ait Imi. Wir passieren die Provinzstadt Tabant und biegen in ein breites Hochtal ein. Der Weg beginnt langsam zu steigen, die grünen Felder weichen zurück und nur noch einzelne Zypressen bieten Schatten.

Immer höher windet sich unser Pfad, längst sind wir auf Kurz (Shorts und T-Shirt) umgestiegen. Die Sonne steigt höher und der Pfad wird steiler und natürlich – die Luft dünner. Eine Nusspause setzt noch mal letzte Kräfte frei und dann haben wir es geschafft.

Unser Blick folgt den langen Weg zurück ins Tal. Was, soweit sind wir schon gelaufen?

Auf der anderen Seite schimmert Schnee am über 4000 Meter hohen M´goun. Um das Bild perfekt zu machen, überholt uns gerade in diesen Moment die Maultier Karawane mit unserem Gepäck.

Wir verteilen uns auf der Passhöhe und genießen die grandiosen Ausblicke. Müsli und Powerriegel werden verteilt, denn bis zur eigentlichen Mittagspause steht uns noch ein langer Abstieg bevor. Die Sonne brennt unnachgiebig senkrecht vom Himmel und wir sind froh, dass wir am frühen Nachmittag endlich ein schattiges Plätzchen unter einem steilen Felsen für unsere Mittagsrast erreichen. Als wir eintreffen ist der Lagerplatz schon vorbereitet. Auf einer großen Matte steht schon der Willkommenstee bereit und Mohammed bereitet mit einigen Helfern das Mittagessen vor. Wir nutzen die Gelegenheit und machen uns auf der Matte lang für ein kleines Mittagsschläfchen. Es ist kaum zu glauben was Mohammed in seiner Kochhöhle in der kurzen Zeit zaubert. Reis, Salat, Gemüse, Nudeln und etwas Lamm für gut 20 Personen. Als wir wieder nach unserer ausgiebigen Rast unseren schattigen Platz verlassen steht die Sonne nicht mehr ganz so hoch. Wir folgen einem ausgetrockneten Flussbett, flankiert von bizarren Felsgebilden. Einige Nomaden haben am Rand einfache Steinhäuser errichtet und aus jedem Eingang beobachten uns schüchtern mindestens sechs Kinder. Sie leben von ihren Ziegenherden, die im trockenen Tal und in den Hängen nach Essbarem suchen. (Trekking Marokko)

Dann steht die erste Flussdurchquerung bevor. Wir treffen kurz vor unserem Lagerplatz auf das Haupttal des M´goun. Barfuss oder nasse Schuhe und Socken riskieren? Ich probiere es mit Schuh. Zwei drei große Sprünge und nur „wenig“ Wasser ist von oben in den Schaft gelaufen.

Gleich danach treffen wir ziemlich geschafft im Camp ein. Mohammed hat bereits einen süßen Tee vorbereitet. So lassen wir uns alle erstmal müde auf die große Matte im Essenszelt fallen. Das Camp besteht aus 8 Zweimannzelten für die Gäste, einem großen Essenszelt, ein weiteres für die Küche und einem kleinen Toilettenzelt mit Erdloch.

Aber schon nach kurzer Zeit sprühen unsere Jungs schon wieder voller Energie. Ein Fußball wird ausgepackt und schon spielen auf den staubigen Platz Berber gegen Ascheberscher.

Jetzt noch eine Dusche vor dem Abendessen, -das wärs! Handtuch gepackt, die Flipflops an und ab geht’s in den kalten Gebirgsbach. Die Harten tauchen komplett ein, ich wähle die behutsame Methode und reinige mich Stück für Stück im Bach stehend. (Trekking Marokko)

Als wir zurückkommen ist schon der Tisch = Matte gedeckt. Mohammed überrascht unsere Jungs mit selbst gemachten Pommes, unglaublich. Wir hatten uns Sorgen wegen des Essens gemacht, aber was aus der kleinen Zeltküche kommt ist sehr schmackhaft.

Inzwischen ist es Nacht geworden. Wir sitzen im Kreis auf den mitgebrachten Campingstühlen, lassen eine Flasche Rum kreisen und genießen die Stille und den unglaublichen Sternenhimmel.

Die nächsten drei Tage trekken wir den Fluss/Bach weiter talabwärts.

Es spielt sich sehr schnell eine Routine ein. Frühstücken, Katzenwäsche, Gepäck verstauen und schon sind wir wieder unterwegs. Das Camp wird von den Treibern abgebaut. Sie überholen uns gegen Mittag und bauen das nächste Lager wieder für uns auf.

Unser Pfad folgt meist den Bach und wird auch von den Talbewohnern als Verkehrsweg genutzt. Alle ebenen Flächen im Talgrund werden bewässert und wir treffen häufig auf kleine malerische Lehmdörfer und Höfe. Die Siedlungen sind ohne Strom- und Wasseranschluss, ohne Fernsehen und Internet. Kann man so überhaupt noch leben? Sicher wird das unseren Buben zu denken geben. Die zahlreichen Kinder haben nichts, außer ihrer Kleidung und die Gesichter sind trotzdem voller Lebenslust. Leider sind wir nicht die ersten Fremden in Ihrem Tal und so versuchen sie von uns, das ein oder andere Mal, Kleinigkeiten zu erbetteln. (Trekking Marokko)

Nichts geben ist die Parole von unserem Führer Yasin und wenn es nicht zu vermeiden ist, dann nur den Eltern.

In einem etwas größeren Dorf machen wir vor dem Dorfladen eine Pause. Überraschung !Es gibt Cola und Fanta. Schnell sind 17 Flaschen geleert. Auch die Erwachsenen freuen sich über die Abwechslung. Unser Weg ist sehr abwechslungsreich, mal im Tal dem Bach folgend und Felder querend, dann wieder schlängelt er sich entlang der Hänge mit Blick auf viele namenlose Dreitausender, teilweise die Gipfel mit Schneeresten bedeckt.

Kann man das noch steigern? Ja, denn am dritten Tag unserer Tour ziehen wir statt unserer Wanderschuhe die Laufschuhe an. Das Hochtal wird zur Schlucht, der M´Gounfluss zwängt sich zwischen steilen Felswänden die nicht zu erklimmen sind, sodass wir große Strecken im Fluss laufen und fast bei jeder Biegung die Seite wechseln. Das Wasser ist meist knietief, allerdings zerrt die starke Strömung an den Füßen und man muss schon aufpassen um nicht unfreiwillig baden zu gehen. An den tieferen Stellen helfen wir uns gegenseitig mit Menschenketten.

Dann verengt sich die Schlucht auf wenige Meter. Die Wände fallen senkrecht ab, der Himmel ist kaum zu sehen. Vorsichtig, mit einer Hand an der Felswand, tasten wir uns vorwärts. Das Wasser steigt über die Knie, dann über die Oberschenkel und final bis zur Hüfte. Hand in Hand schleichen wir weiter, vor allem auf die Kleineren wird acht gegeben. (Trekking Marokko)

Geschafft, das Tal öffnet sich und wir stehen wieder glücklich in der Sonne.

In diesem Moment folgen uns die Treiber. Wie werden die Maultiere die Engstelle passieren können? Völlig problemlos haben Sie sich durch das tiefe Wasser führen lassen. Das Gepäck ist hochgebunden, sodass alles trocken bleibt. Wir rasten an einer idyllischen Gabelung und Yasin öffnet wieder seinen großen Beutel mit Nüssen – Nusspause. Weiter folgen wir dem Flusslauf, mal am Rand, mal im Bach und immer wieder die Seite wechselnd.

Am frühen Nachmittag treffen wir auf eine neu erbaute Gite, Berghütte, an einer großen Quelle. Mohammed ist in der Küche schon tätig und serviert an einem schattigen Tisch ein üppiges Mahl, was ein Luxus – sogar mit Cola und Fanta! Überhaupt wird sehr gut für uns gesorgt. Wir müssen eigentlich nur wandern. Um alles andere kümmern sich Yasin und Ibrahim mit der freundlichen Mannschaft.

Unser letzter Trekkingtag ist ähnlich. Am frühen Nachmittag erreichen wir das Ende der Schlucht. Die Zivilisation hat uns wieder, es gibt einen Steg über den Fluss! Wir schießen die letzten Beweisfotos und wandern anschließend durch die Häuser der Stadt Tisguine, dem Ende unserer spektakulären Tour.

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