Huskyschlittenfahren – für viele ein Traum. Jack London, Alaska, Kälte, Schnee, einsame Wildnis. 12 „Ascheberscher“ sitzen im Flieger nach Kiruna und möchten ihren Traum in schwedisch Lappland erleben. (Huskytour)

Empfangen werden wir von Barbara, unserer Wildnisführerin für die nächsten 8 Tage. Unser Abenteuer beginnt am Ende der befahrbaren Straße. Jetzt sind noch 3 Km bis zur Wildnislodge zu Fuß zu überwinden. Bei – 15 Grad, ohne lange Unterhose – hasten wir in 25 Minuten durch den Schnee zur Lodge. Schon von Weitem werden wir von den ca. 100 Schlittenhunden, fast alle Huskys, durch lautes Bellen empfangen.(Huskytour)

Aber zuerst geht’s mal ins Warme. Lotti, die Besitzerin der Snowtrail Dogcamp Lodge, hat schon heißen Beerensaft vorbereitet. An der Wand hängen die Schneekombis. Gefütterte Jacken und Latzhosen, Schuhe mit Aluminiumkälteschutz, zu groß – egal, Hauptsache warm. Auch der Geruch nach Hunden und Rauch stört nach 5 Minuten nicht mehr. Barbara „verteilt“ die Hunde für den morgigen Tag und gibt uns Gelegenheit den ersten Kontakt aufzunehmen. Co-Pilot und Coppy vorne, in der Mitte Toby und hinten Gusa und Tok bilden unser Team.(Huskytour)

Die erste Nacht, sie sollte unsere wärmste sein mit knapp –25 Grad, lassen wir am Lagerfeuer mit Glühwein ausklingen. Bereits um 06:00 Uhr dämmert es. Der Morgen verspricht einen glasklaren, sonnigen aber eiskalten Wintertag. Wir sind alle sehr nervös beim Frühstück. Wie wird unsere erste Runde Mushen verlaufen?(Huskytour)

Nach dem Frühstück ziehen wir unsere 4-5 Kleiderschichten an und fühlen uns wie das Michelin Männchen. Schnell vor die Tür, raus in die Kälte, wo Barbara schon die Schlitten verteilt. Jedes Musherpaar bekommt seinen Startplatz mit Pfosten, um den Schlitten festzubinden. Die Leinen werden ausgelegt, die Geschirre liegen bereit. Das ganze Camp ist in heller Aufregung. Vorsichtig gehen wir in die Zwinger, um den Hunden das Geschirr überzustreifen. Der eine oder andere Husky entwischt und rast durchs Camp. Barbara und Tobias helfen uns, sie wieder einzufangen. Wir fangen mit Coppy und Co-Pilot, unseren Leithunden, an. Sonja bleibt beim Schlitten, während ich die anderen 3 Huskys nach und nach hole. Wir sind alle trotz der –25 Grad am Schwitzen, nur die Finger sind eiskalt, da wir ohne Handschuhe besser mit den Schnappverschlüssen an den Leinen zurecht kommen. Bald sind alle Musher bereit. Die Hunde sind heiß aufs Rennen und schmeißen sich laut bellend in das Geschirr, um die Schlitten loszureißen.(Huskytour)

Schnell steigt Sonja in den mit Rentierfellen ausgepolsterten Schlitten ein. Ich stehe mit beiden Füßen auf der Zackenbremse, ziehe die Befestigungsleine und los gehts. Langsam verteile ich mein Gewicht weg von der Bremse auf die Kufen des Schlittens. Immer schneller wird die Fahrt aber schon gleich kommt die erste Schwierigkeit. Scharfe Rechtskurve, abfallend. Die Huskys machen nicht langsamer. Einen Fuß voll auf der Bremse, Gewicht nach innen legen und rum. Geschafft, langsam entspannt man sich. Breitbeinig steh ich auf den Kufen, Titanicfeeling – Ich bin der König der Welt – . Berghoch hilft man den Huskys entweder mit einbeinigem Anstumpen oder sogar Schieben, wenn der zuweilen steile Trail es erfordert. Sofort entstehen in der Michelinverpackung wieder Saunatemperaturen.(Huskytour)

Eine Lektion musste ich noch lernen. Niemals den Schlitten loslassen! Die Hunde bleiben nicht stehen, im Gegenteil. Mit gefühlten Hundert Kilo weniger am Schlitten laufen sie umso schneller weiter. Haben Sie schon einmal ein Michelinmännchen spurten sehen? Die Musher, die hinter uns waren, haben es und lachten sich halb kaputt. Sonja, im Schlitten, hat nichts davon mitbekommen, dass ich mit letzter Kraft wieder auf den Selbigen gehechtet bin. Ich war wirklich froh, nach etwa einer Stunde den Platz mit Sonja tauschen zu können.

Gegen 14:00 Uhr waren wir wieder zurück. Raus aus den Schichten und rein in den gemütlichen Gastraum. Bei heißem Eintopf löst sich die Anspannung. Einige haben vom Schnee noch nicht genug und erkunden die Umgebung der Lodge auf Crosscountryski. Die kleine Sauna am See wird eingeheizt und das Eisloch zum Abkühlen freigehackt.(Huskytour)

Beim Abendessen besprechen wir mit Barbara das nächste Abenteuer. Huskytour über 2 Tage mit Übernachtung im Zelt bei weniger als –30 Grad, da leider die Temperaturen weiter in den Keller sinken. Sind die Schlafsäcke warm genug? Soll ich besser zwei paar Handschuhe anziehen? Passen die Schuhe auch mit zwei paar Socken? Gut, dass das Zelt einen kleinen Kanonenofen haben wird. Mit diesen Gedanken fallen wir in den Schlaf.(Huskytour)

Die Snowtrail Dogcamp Lodge hat 2 x Vier-Bett- und 2 x Zwei-Bett-Zimmer, also Platz für 12 Gäste. 2 Toiletten und eine warme Dusche. Sie ist nicht an eine öffentliche Versorgung angeschlossen, bedeutet, dass Strom, Wasser und Wärme selbst produziert werden. Lotti hat alle Hände voll zu tun, um alles am Laufen zu halten. Bei diesen besonders niedrigen Temperaturen, entlädt sich die Batterie für das Dieselaggregat schnell und die Wasserpumpe friert gerne ein. So steht sie bei diesen kalten Nächten 2 – 3 mal auf und läßt den Diesel ein paar Minuten laufen. Ab 22:00 Uhr ist Zapfenstreich, der Diesel wird abgeschaltet, und nur noch die Nachtbeleuchtung geht. Das heißt z.B. aber auch, dass danach kein Wasser mehr in die Toilettenspülung gepumpt wird. Zähneputzen und Klogang sollten bis dahin erledigt sein.(Huskytour)

Wie schon gesagt, wir hatten es besonders kalt. In der Nacht waren es wieder unter -35 Grad. Barbara entscheidet, dass wir später und nach einer warmen Suppe aufbrechen, um nicht zu sehr auszukühlen. Das Anspannen der Huskys klappt jetzt schon viel besser. Und los geht’s ins ca. 30 km entfernte Wildnisscamp. Per Motorschlitten ist unsere Ausrüstung, wie Schlafsäcke, Rentierfelle, Essen schon vorweggefahren.
Als wir gegen 16:30 ankommen, brennt schon ein lustiges Feuer, das Zelt steht und der Ofen ist eingeheizt. Einige von uns kümmern sich unter der Anleitung von Tobias um die Hunde, verteilen etwas Stroh als Schlafstätte und kochen das Trockenfutter für die Hunde mit Wasser auf. Um an Trinkwasser zu gelangen, muss mit einem Eisbohrer ein Loch durch die fast einen Meter dicke Eisschicht des Sees gebohrt werden. Das Wasser drückt sich dampfend nach oben und man könnte meinen, es sei 30 Grad warm. Mit 1-2 Grad plus ist es aber immerhin 30 Grad wärmer als die Luft. Lotti hat in der Lodgeküche unser Abendessen vorbereitet. Lachs mit Gemüse. Portionsweise in Alufolie eingepackt, wird er einfach am Feuer gegart. Wir sitzen dick eingemummelt auf Rentierfellen um das Feuer. Schnell die Handschuhe aus, Besteck in die Hand und den köstlichen Lachs zerteilt. Wer zu langsam isst, den bestraft das Leben, denn nach ca. 10 Minuten frieren die ersten Stücke fest. Unsere weiblichen Teilnehmer hatten ähnliche Bedenken beim Klogang. Aber das Trockenklo erweist sich als sehr komfortabel, da mit einer Styroporbrille ausgestattet. Es wird ein sehr lustiger Abend, recht gemütlich, denn Glühwein, Schnaps und Feuer wärmen uns auf. Zur Belohnung sehen wir noch einige Nordlichter.(Huskytour)

Ab 22:00 Uhr lichten sich die Reihen. Der warme Schlafsack lockt. Wir stellen unsere Vorräte möglichst nah an den Ofen im Zelt, damit Brot, Wurst und Magarine nicht einfrieren. Barbara übernimmt die Feuerwache und schürt die ganze Nacht den Ofen. So kleine Sachen wie Druck auf der Blase können sehr unangenehm werden. Was soll ich machen? Wegdenken-, aber um 05:00 Uhr halte ich es nicht mehr aus. Mit nackten Füßen schlüpfe ich in die gefrorenen Stiefel und stolpere aus dem Zelt. Endlich, aber jetzt habe ich Eisfüße.(Huskytour)

Wir sind alle schon früh wach, bleiben aber noch liegen, um der Sonne Zeit zum Wärmen zu geben. Wieder ein glasklarer Morgen. Feuer machen, Wasser holen, Hunde versorgen und (es war leider doch zu kalt im Zelt) Brot, Wurst und Magarine am Feuer auftauen. Es gibt viel zu tun, bis wir wieder abfahrbereit sind. Die Huskys freuen sich schon. Sie hatten kein Problem, die Nacht im Freien zu verbringen. Begleitet von freudigem Gebell starten wir mit unseren Gespannen in die verschneite Wildnis Lapplands.(Huskytour)

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