Es ist das gleiche Gefühl. Es ist wie damals, im Frühjahr 2005, als ich zum allerersten Male diese heiße Luft auf meiner Haut spürte, die vielen Gerüche von Kumin, dem gemahlenen Kümmel, von rasalhanut, dem marokkanischen Basisgewürz und so vielem anderen aufsog und mich in das Gewühle, Gewusel und die aufregenden Farben von Marrakeschs verliebte.

Du liebst es sofort oder wirst dem Zauber nie erliegen. Dem Zauber der violetten Farben der Bougainvillea umrankten blinden, weil nach Außen zur Straße hinaus fast fensterlosen Riads in der verwinkelten Innenstadt. Dem Platz, dschem – el fna, der Platz der Gaukler oder Platz der Gehenkten, wie es übersetzt heißt. der jetzt träge, hitzdun am frühen Nachmittag nicht und niemanden erahnen lässt, zu welch großartigem, aufregendem und .Enervierendem Leben er nachts, wenn die lähmende de Hitze des Tages vom Muezzin verabschiedet wird, erweckt. Stehen tagsüber die unzähligen Pferdedroschken, bunt, nummeriert am Eingang des Platzes, schräg dem französischen Cafés gegenüber, das französisches. lautes, grell buntes Musikfernsehen nach Afrika sendet, und warten auf träge Kunden, die die meist überhöhte Preise zahlen müssen. Es preisen Händler ihren frischen Orangensaft aus hohen Karren aus an. Da die Gläser aber oft nur unzureichend gespült werden, raten Reiseführer leider davon ab. Schade, denn der Saft der frischen marokkanischen orangen schmeckt hier in der Sonne, ganz besonders Süß.

Die bunten, rot goldenen gekleideten Wasserverkäufer mit deren großen breitkrempigen hüten sind heute nur noch Photometrie für Touristen, die bezahlt werden müssen. Inzwischen auch von reichem Marokkaner, die mit den Mobilphones selfies machen und stolz nach Hause senden. Verschleierte Berberfrauen, mit ihrer Henna verzierten Händen sitzen in der stehenden Hitze unter verschlissenen Sonnenschirmen, wartend auf Touristen, wie die kleine japanische Gruppe, die sich hilflos um ihren Guide mit Regenschirm versammelte. Wenn die Berberfrau einmal die fremde Hand in ihren hat, wird es teuer, und die Qualität der Henna ist auch umstritten.

Auf dem kleinen Eselskarren glänzen kleine tontajinen, vermutlich nur sinnlose Dekoration in vielen bunten Farben in der Sonne. Der Muli steht stoisch dabei. Angebundene Falken und müde dösende Schlangen, selbst die scheinen in der Mittagshitze Siesta zu halten, der Schlangenbeschwörer macht keinerlei Anstalten, jetzt zu arbeiten. Farbige, zu kunstvollen Türmchen aufgeschichtete Gewürze reizen zum unkontrollierten Einkauf. Die Überraschung folgt stets bei der Einkaufssumme, wenn das mehrfach verknotete in Plast tüten verpackte Bündel die Seite wechselt. An den Rändern des Platzes sind die bekannten Cafés, Café de France, oder Café de Paris, deren Dachterrassen Besuch für alle Reisegruppen obligatorisch ist. Der Blick von oben ist beeindruckend, besonders am Frühen Abend, aber es ist von oben auch etwas limitierend wie der Blick in ein koch Magazin, wenn man auf dem Platze selbst auch das ganze Menü, mit allen Sinnen erfahren kann.
Die vom Plätze abgehende Eingänge in die Souks sind kaum verfehl bar, daher kämpfen die Händler, die hier vorne so exponiert liegen, auch mit hohen Preisen um diejenigen Kunden, die zu wenig zeit zum sehen, riechen vergleichen und feilschen mitbrachten. Leichte Opfer eben. Sie werden es später bereuen.

Decken und Wandlampen, farbig und kunstvoll gearbeitet, Myriaden von funkelndem Lichtpunkte aus durchbrochenem Metall, Ledertaschen, Gürtel und Sultans puschen in allen Größen und Farben baumeln von der Decke. Schwerer Berberschmuck, Silber und Goldreifen, kunstvoll gearbeitet wartet auf potentielle Kunden, auch auf Einheimische. In den richtigen Eingängen in die Souks, den überdachten Händlergassen, bieten Dattel Händler und Süßwaren Anbieter aus kunstvoll geschichteten Auslagen ihre verführerische waren an, die mit grell hell Beleuchtern Propangasampen in rechte Licht gerückt werden. Läden mit unzähligen dieser kleinen bauchigen Teegläser, mit den leichten Teekannen aus Edelstahl, kunstvoll mit eingeschlagenen Mustern und dem kleinen roten Ring am Deckel, um ihn auch in heißen Zustande öffnen zu können, verlangen astronomische Preisen vom Touristen. Selbst das meist probate mittel, den Drittel des Händlerpreises als Gegenofferte anzubieten, ist hier nicht ausreichend.

Auslagen von kunstvoll gearbeiteten Holzdosen mit schönen Intarsien arbeiten wechseln sich ab mit Tuchläden, Teppichläden, dunkel wie Höhlen, vor denen allzeit bereite, mehrsprachig und bestens geschulte Verkäufer warten. In kleinen Seitengassen sind die Zünfte untergebracht, manches Mal eine ganze Reihe von Kaftanen-, Tuch- und Stoffläden, die sich gegenseitig, meist marokkanische Kunden Frequenz schaffen. Der Souks ist keine reine Toristenveranstaltung, sondern vitales, arabisches Einkaufszentrum, mit Metzgern, die ihre frisch geschlachteten Hühner oder Rindfleischteile am Haken hängen, Kunden, die das Fleisch prüfend in die Hände nehmen, und ihren tagtäglichen Bedarf dort decken.

Jetzt aber noch sitzen die Händler in der Siesta, auch im den Souks, in ihrem Laden, dösend oder schlafend, auf kleinsten Schemeln. Erst am Abend kommt das Leben zurück in den Souks wie auch auf den großen Platz.

Dann schieben sich die Menschen dicht an dicht, schauen, bummeln, prüfen, halten Schwätzchen, machen Scherze und feilschen. Die Touristen mehr, denn die Preise sind für sie höher. Etwas Ruhe vom Trubel verspricht ein kleines schmuckloses Café, die eingangsfront gerade einmal so schmal wie die Türe und der Schemel davor. Aber die uralte, italienische Espressomaschine im Inneren machte einen hervorragenden Kaffee. Wir relaxten ein wenig, schauten dem treiben, den wogenden Menschen eine Weile zu, bevor wir versuchten, in die Färber, Gerber und Schmiede Gassen zu gelangen. Dort Schweißen, Hämmern, feilen und durchbohren Arbeiter sitzend, beengt im engsten, dunklen Kammern diese schönen Lampen.

Langsam kehren wir um, gehen durch die verwinkelten Gassen zurück, verirren uns ein wenig, aber der Grand Place ist nicht so verfehlen.

Es ist dunkel geworden, der Platz hat sich verändert. Überall dämpft es, es ist laut und voll. Die angestrahlte Koutubia, die Große, zentrale Moschee, die in ihrer Höhe die maximale bebauungshöhe von Marrakesch bestimmt, ist der Wegweiser. Vor geraumer Zeit rief der Muezzin zum Abendgebet, die Menschen strömen nun zum Platze. Abendessen, Feierabend und allabendliches Fest. Unzählige Grill und kochstände bieten alle Arten von leckeren Essen an, Tajinen, Grillspiesschen, ganze Lämmer drehen sich über der Holzkohle. Es riecht nach allem, es duftet nach 1.000 und einer Nacht. Wir bekommen Hunger. Fächernde, schwitzende Köche Versehen ihr Handwerk mit einer Ernsthaftigkeit, die man später schmeckt . Kellner halten kleine Speisekarten in der Hand und lassen erst locker, wenn man ernsthaft verspricht, wiederzukommen. Zu ihm, Versprochen. Dass er die Hunderte Male heute Abend schon hörte, zeigte er nicht.

Daneben Trommeln laut, fordernd, fast ein wenig beängstigend hat eine Berbergruppe, eine Riesenmenschenmenge um sich versammelnd. Geschichtenerzähler, laut gestikulierend, umhergehend, die jungen mit Stieren Augen fixierend, Fesseln eine andere Gruppe. Daneben, unter einem Schirm, der gekippt auf dem Boden schräg ein wenig Intimsphäre verspricht, arbeitet eine Wahrsagerin, oder ist sie Schreiberin? Wer weiß das schon?

Mobile Zahnärzte, die ich noch 2005 sah, entdeckte ich dieses Male nicht mehr, vielleicht übersah ich sie auch nur, abgelenkt von den vielen Kleinhändlern, die ihre funkelnden, mit kleinen Teelichtern erleuchteten Lampen vor sich ausbreiteten. So funkelt, leuchtet, strahlt, dämpft, riecht, trommelt der wohl schönste Platz der Welt.

Mittags – Hitze an der Menara
Was um alles in der Welt machen wir nur hier?

Es ist drückend heiß, natürlich um die Mittagszeit, die Kutsche hielt an und den Rest der Strecke mussten wir über einen schattenlosen, riesigen Platz laufen. Zu dem Kiosk Menara in Marrakesch., etwas außerhalb erreichbar über die pompösen, aber offensichtlich sinnlosen Prachtstraßen König Mohammeds des 2′, König von Marokko.

Meine Frau entschied, gegen meinen entschiedenen aber erfolglosen Widerstand wieder eine Kutschfahrt durch Marrakesch durchzuführen. Ich erkundigte mich an der Hotel Rezeption nach den ungefähren ca. Preise, von 3o Euro pro Stunde bis 50 für zwei Stunden war die etwas vage französische Auskunft. Nun denn, wir sollten feilschen, ach nein, wer hätte das nicht auch eh erwartet. Also gingen wir durch die Altstadt Gassen den inzwischen uns gut bekannten Weg zum Gauklerplatz, dem Dschem El Fna, früher auch Platz der Gehenkten genannt. Dort suchte ich mir den optisch nettesten Kutscher, und auch hier täuschte ich mich, und feilschte, was das Zeug hielt. Am Ende von harten 20 Minuten erzielte ich 45 Euro für 3 Stunden, und 5 Euro Tipp wenn wir zufrieden wären … Wir waren es nicht.

Die Tour zu dem Garten Majorelle, durch die neuen schönen Vororte Palmeraie mit den Luxuswohnungen und Top Hotels, in denen diejenigen Ausländer absteigen, die möglichst wenig vom Lande sehen wollen und nur zum Golf spielen kommen , bis hin zum Menara Kiosk, zurück über das Königspalastviertel, Marrakesch für japanische Touristen, in 3 Stunden.

Nachdem wir uns mit Hunderten fetten Amerikanern den schönen Garten von Yves Saint Laurent angesehen hatten, das wunderschöne helle majorelle blau als Lieblingsfarbe für das geplante Haus von Kathi definierten, auch einen oder zwei Blicke auf die Planzenvielfalt warfen, setzten wir die Fahrt in der Kutsche fort.

Jannis und die Familie saß in der Kutsche, im Schatten! ich leider beim Kutscher in der Sonne vorne. Hüh hü rief, der etwas schmächtige, Kutscher mit Flipflops, und versuchte im hektischen Verkehr vor dem Tribunal die Kontrolle über die scheuenden Pferde zu behalten. Ich hätte mir das Gefährt einmal genauer inspizieren sollen, das Gummi der Räder war brüchig und häufig an vielen stellen fehlend, so holperten wir mehr als das wir rollten und fuhren hinaus zur Menara.

Doch Jetzt erinnerte ich mich wieder an 2007, Schon damals, die Kids waren noch klein und wir hatten gerade Nutella eingeführt und dabei, heute nehmen wir es schon wieder vom Markte, wollte Doris dorthin sich fahren lassen . Aber warum nur?

Die Menara ist ein kleiner zweistöckiger Kiosk Palast, innen leer, schöne Holzdecke zwar, ein fast quadratisches Wasserbecken mit fetten riesigen Karpfen. Eine Mutter hielt in berechtigter Angst ihren kleinen Sohn, der Brotkrumen ins Wasser warf am Schlafittchen, die fetten grünen Karpfen im braune, stehenden Wasser würden wohl keine Gnade walten lassen.

Zu beiden Seiten der Menara fliest Frischwasser aus dem Atlas Gebirge in das Bassin. So, erzählte es zumindest der alte Berber, der ein Geschäft daraus machte, den wenigen Touristen einen Zettel in die Hand zu drücken, einiges unverständliches zu Murmeln, um dann aber klar und deutlich seine Verstimmung zu artikulieren, wenn ihm der Tipp zu gering erschien. Es soll das Gerücht geben, ein Sultan oder Pascha hätte hier den Arabern das schwimmen beibringen wollen um damit Spanien zu erobern. Welche ein Unsinn!

Jedenfalls gab es hier nichts zu sehen, aber um dies zu erkennen musste man, Frau und Marlene einen Kilometer gefühlt in praller Hitze dorthin laufen, 5 Euro Eintritt für alle bezahlen, nur um zu erkennen, das es sich nicht lohnte.

Der Kutscher wartete im Schatten der großen Palmen, weit draußen auf uns, sein Zusatzgeschäft der Vermittlung an die Kamel Treiber kam auch nicht zu Stande, viel zu heiß, mürrisch darüber wollte er das Gefährt wieder auf die Straße lenken. Leider kam er etwas ab, lenkte das Gefährt in einen Graben und fuhr sich fest. Er musste absteigen, lehnte stolz meine mithilfe aber ab. Stattdessen peitschte er seine armseligen Gäule. Sehr zum Unwillen einer älteren uns beobachtenden Frau. Sie schimpfte und schüttelte missbilligend den Kopf.

Aber wir hatten wieder die Menara gesehen. Sehr schön. wir sollten uns den Eindruck merken, fürs nächste Mal.

Ray bans am Wasserfall

Die Stimmung im Jeep war schlecht. Die ganze Nacht hörten wir Jannis sich Erbrechen, er tat uns leid. Später in der Nacht kam dann eine etwas ratlose Katha, klopfte und bat Doris um Medizin für ihren Freund. Morgens kam dann ein völlig erschöpfter, entkräftet wirkender Jannis klopfend an unsere Türe und informierte uns, dass es nun auch Katha erwischt habe. Am Frühstück erschienen beide entsprechend bleich und übellaunig. Doch es half alles nichts, heute startete unsere mehrtägige Jeep Safari, der Abschied aus Marrakesch war unumkehrbar. Der aufgekratzte Guide Jassin passte so gar nicht auf diese kleine fünfköpfige Reisegruppe, die schweigend noch am Frühstückstisch saß und die Abreise verzögern wollte. Doch dann zahlten wir die Touristensteuer sowie die Extras an Getränke, packten die Koffer, Jannis und Katha gingen das letzte Mal ins Bad, Jannis schulterte seinen Seesack, den sein Rucksack vor Schmutz, Sand und Beschädigungen schützen sollte und wir alle eilten dem Guide hinterher, aufpassend dass die Rollen unserer Koffer nicht durch die Eselscheisse auf der kleinen Gasse führen.

Der Wagen war rasch beladen, die Sitzordnung, die sich auf der ganzen Fahrt nicht mehr verändern sollte war gefunden, wir führen los.

Katha und Jannis dämmerten vor sich hin, in deren Halbschlaf Verliesen wir Marrakesch, warfen einen letzten Blick auf den dschem El Fna, den Platz der gehenkten oder auch gauklerplatz genannt, Jannis warf ihm noch die Bemerkung hinterher, adieu du Platz der Viren und brandschatzendem, denn er führte sein Magen Problem auf den Platz zurück. Vielleicht war es jedoch auch nur ein oder zwei nichtvöllig durchgebratene Stücke Hühnerfleisch, die so dekorativ an einem der beiden Spieße, an dem Metallständer herabhingen ursächlich für seine Magenkrämpfe. Aber er war Klüger als Katha und Trank beständig kleine Mengen an Wasser und abgestandenem Cola, so kam er zusehends wieder zu Kräften.

An einer Weggabelung kurz hinter Tamelelt machten wir den obligatorischen Tee und toilettenstopp .es war einer dieser heißen , eher trostlosen Tankstellen, mitten in einer eintönigen Landschaft, alte Männer an kleinen Tischen, ihren Pfefferminztee oder Wasser vor sich, kleine Lieferwagen, die Butangas Flaschen entluden, einsame eselskarren zogen vereinzelt vorbei. Meine salz Chips, die ich kaufte fanden keine Abnehmer, wohl aber das Brot, das uns überall sehr gut schmeckte. Diese handtellergroßen Brötchen, oft mit Sesamkörner bestreut waren knusprig, gut gewürzt und sehr lecker. Der Pfefferminztee hierzu wird mit dem starken marokkanischen ganzen Pfefferminz mit Stängel heiß aufgekocht, in kleinen Stahl Kännchen , die erst die Engländer einführten, sehr süß mit großen, groben Zucker Stückchen aus kleinen bauchigen Gläsern getrunken. Je nach Qualität ist der Tee hell oder auch undurchsichtig Grün, wie aus einem alten Aquarium. Aber er hilft. Gegen de Hitze sowieso, denn der heiße Tee kühlt weit besser. Als das allgegenwärtige Coca Cola oder die pappsüßen, giftig orangegelbe, Fanta Orange oder gar das untrinkbare süße Hawaii mit seinem Kokkus Geschmack. Die Toiletten waren gewöhnungsbedürftig, meist französische Stehtoiletten, wir nannten sie Plumps Klosett. Meist waren sie jedoch sauber, denn Jassin schien unsere Stopps bewusst gewählt zu haben. Katha wollte jedoch Leiden und ging deshalb nicht aufs Klo.

Unsere heutige Etappe führte uns zu den Wasserfällen von Ouzoud auf etwa 1.000 Meter Höhe. Es war inzwischen etwas bewölkter geworden, am frühen Nachmittag ließ die Hitze damit etwas nach, als wir auf den großen leeren Parkplatz mit den vielen Fahnen in Ouzoud ankamen. Der Guide motivierte die Gruppe, dass wir nur einige Meter zu den Kaskaden Wasserfällen gehen müssten denn noch war nichts davon zu sehen. Nun denn selbst unsere kranken nahmen die letzte Energie zusammen und stapften etwas verdrossen, die vielen Treppenstufen abwärts. Jetzt konnten wir auch die schönen Wasserfälle sehen, die über den Abgrund schossen. Im vielen Kurven ging es abwärts, vorbei an vielen kleinen touristenständen, de berberschmuck, Teppiche, Versteinerungen und gefälschte Ray Ban Sonnenbrillen anboten.

Die Restaurants auf dem Wege ach unten hatten ihre Tajinen, große Ton Gefäße, die wie kleine geschlossene Kuppeln, auf der Glut stehen und das Kochgut über Stunden gären, in Reihe und Glied aufgereiht. Manches mal sahen wir 15 bis 20, die gleichzeitig auf ihren passenden Feuerstellen standen und auf Kunden warteten. In den Tajinen werden Rindfleisch, meist jedoch Hühnchen mit Kartoffeln und Gemüse gegart, jedes gut wird entsprechend seiner Garzeit später oder früher hinzugegeben. Die Tajinen Größen unterscheiden sich stark, je nach Teilnehmer des Essens. Die kosten sind gering, so kostet eine Tajinen, zum Beispiel die von uns präferierte mit Hühnchen, Zitrone und Oliven zwischen 4 bis 7 Euro und reicht gut für zwei Personen.

Jassin unser Guide hatte jedoch stets seine lieblingslokale auf der Tour und wir bezahlten für uns alle 7 Personen incl. Getränke, einem Tomaten Zwiebelsalat, den wir jedoch aus Vorsicht vor dem genutzten Wasser nie aßen, Safran Kuchen und Riesenmengen an Honig und Wassermelonen stets 350 Dirham etwa 32 Euro zusammen. So auch hier, Einige schöner gelegene Restaurants mit tollem Blick auf die Wasserfälle ließen wir links liegen, freundlich aber bestimmt schickte uns der Guide weiter, talabwärts. Meine vorsichtig geäußerten Bedenken, dass wir das alles auch wieder hoch müssten, mit beiden kranken wurde ignoriert. Das wird schon, sagte Jassin lächelnd. Er kannte meine Tochter noch nicht.

Fast an den Füßen des Wasserfalles fand Jassin seinen Freund, das Lokal war zwar bereits voll aber sie kümmerten sich sehr nett um unsere magenkranken. Ein spezieller Thymian Tee und überreife kleine Bananen wurde ihnen gereicht. Beide setzten sich etwas abseits, denn Essen oder nur die Gerüche vertrugen sie noch nicht, Wir hingegen teilten uns zwei größere Tajinen mit Hühnchen, Kartoffeln und Karotten.

Katha riet Doris von der Toilette ab, und so nach einer entspannten, längeren Pause ging es wieder zurück, Hunderte Stufen aufwärts. Katha und Jannis mit auf den Boden stur gesenktem Blicken voran. Später sollte Jannis sagen, er wäre noch nie in seinem leben so erschöpft gewesen, wie nach diesem Anstieg. Die Ray Bans hatten keine Chance einer Aufmerksamkeit mehr.

Jannis härtester kampf (notizen von Jannis)
Schweiß gebadet kam ich aus unserem Cleopratabad, nachdem sich mein Körper nun auch dem letzten Rest des gemeinen Marrakech Virus entledigt hatte. Erschöpft legte ich mich neben, die mittlerweile auch vom Übel erwischte Katharina und versuchte noch ein bisschen zu schlafen. Während eines Traums von eisgekühlten Trinkwasserquellen riss mich mein Wecker völlig dehydriert aus dem Schlaf. Es half nix, die mehrtägige Atlasüberquerung stand bevor und ich wollte unsere Reise nicht behindern. Im Toyota Allrad buxierte uns unser 1.55 großer, an einen süßen schmuse Teddy erinnernder Fahrer aus Marrakech hinaus in das Atlas Gebirge. Mit der Ruhe eines buddhistischen Mönchs schraubte Hammond das Auto die Berge hoch und wieder runter immer tiefer in die Heimat der Berber Nomaden und Halbnomaden.

Katharina und ich saßen in der Mitte. Den Fahrtwind auf unseren blassen, kalten Gesichtern und wir versuchten, schlimmeres zu vermeiden. Ich rehydrierte meinen schlaffen Körper stetig mit teelöffelgroßen Schlucken der abgestandenen, warmen Coca Cola Brühe aus der „Krankenflasche“. Unser erster Stopp sollten die Wasserfälle von Ouzoud sein, an denen die Gesunden unter uns ihr Mittagessen zu sich nehmen wollten. Nix ahnend lehnten Katharina und ich stolz die Offerte von Jassin, unseres Guides, ab in einem Café nahe dem parkenden Auto zu warten. Diese Entscheidung sollte zu einer der Größen Anstrengungen meines bisherigen 19jährigen Lebens führen. Doch erst einmal ging es in vielen Kurven und Kehren bergabwärts, hinunter zu den Füßen des Wasserfalles. Doch die Wundervolle Schlucht in die ein prächtiger Wasserfall preschte und Kinder im Kehrwasser badeten war ein Tolles Geschenk für unsere Mühe

Aber später mussten wir wieder hinauf. Es half alles nichts. Lange und schier endlos schlängelte sich der schmale Weg, vorbei an Straßenhändlerbuden und für Mitteleuropäer schwer zu erkennenden Restaurants, die ihre Tajinen anboten, den Berg später wieder hinauf, zurück zum erlösenden Auto. Wie gerne hätte ich meinen Virus unten im Tal gelassen. Auf der Toilette, oder besser gesagt, Loch mit Wellblechüberdachung hätte er sich bestimmt auch pudelwohl gefühlt. Wenigstens konnte man die Ansteckungsgefahr mindern, indem man sich die Hände wusch. Ein stets lächelnder Klo Mann schüttete uns naja…. Frischwasser über die Hände. Beim Mittagessen, natürlich Tajinen, hatten wir zwei Kranken einen beträchtlichen Abstand zum Tisch eingenommen um dem Geruch von Essen zu entgehen. Mit einem Zitronenmelisse Tee und einer halben, überreifen, gematschten Banane im Magen ächzten wir nun mit der größten Mühe unseren Kreislauf nicht in den Meditationsmodus fallen zu lassen den Weg nach oben. Voller Erleichterung und Erschöpfung stiegen wir oben angekommen in das Auto, das die heiße, wabernd stehende Luft die sich im Inneren angesammelt hatte, nach kurzer Fahr aus den Fenstern spuckte und Katharina und mir mit dem kühlen Fahrtwind die restliche Fahrt zur, in den Bergen, über einem mächtigen Stausee liegenden Unterkunft, erleichterte.

Saurier im Atlas

Wir brachen zeitig auf. Es war ein schöner warmer morgen im Hotel L‘ Eau de Vive wenige Kilometer vor dem kleinen Ort Bin- el Ouidane im Atlas Gebirge. Nach ausgiebigem Frühstück mit frisch gepressten Orangensaft, Jogurt Fladenbrot, frisch gebackenen Pfannkuchen, Honig Marmelade, Minztee und Kaffee belud Hammond, unser Fahrer mit Hilfe von Jassin, unserem Guide den Jeep. Wie immer legte der Fahrer erst die hälfte einer grünen dicken Plastikplane auf den Dachgepäckträger, dann wuchteten wir die schweren Taschen aufs Dach, zuletzt auch die Tüte mit unseren in Marrakesch erstandenen Lampen. Er drückte, schob und presste ein wenig bis es alles passte. Nun klappte er die andere Hälfte der Pläne zum Schutz des Staubes der Straßen des Atlas Gebirges über unser Gepäck, stülpte darüber noch ein dickes, schweres schnurnetz , das er an den Haken des Dachgepäckträgers ziehend und zerrend fest verankerte. Die Fahrt nach Ait bou Gourmes, dem fruchtbaren Tal der glückseligen auf 1500 Meter Höhe im hohen Atlas konnte beginnen.

Eben noch am einem schönen Fluss des Staudammes in fast schwarzwaldähnlicher Umgebung übernachtet, schraubt sich unser Jeep über eine kurvenreiche Strecke und vielen Bergpässen in ein immer kargeres Gebirge, wenig Grün, ab und zu sehen wir versprengte Ziegenhirten mit ihren Herden, freundlich winkende Kinder, die am Straßenrand entlanglaufen, wohin erschließt sich uns nicht in der karge der Berge.

Es ist heiß, stickig im Wagen, die Unterhaltung verstummte. Durch die geöffneten Fenster dringt mit dem Fahrtwind auch der Staub, ab und an halten wir für einen kurzen fotostopp. So auch mitten in einer lang gezogenen Kurve, es ist drückend heiß, keiner will so wirklich aussteigen. Doch Jassin drängt. Saurierspuren sollten wir entdecken…. Es stimmte, in der Wand sind deutliche Fußabdrücke von verschiedenen riesigen Fußabdrücken von Urzeit Tieren erkennbar, die wohl im Schlamm entstanden und dann versteinerten….

Während wir noch gafften, ratterte ein völlig überladener Minibus , dem Transporte mixte mit kauernden Gästen auch auf dem Dach, an uns vorbei, noch lange sahen wir die Staubfahne, die es nach sich zog, , in die weiten Kurven des sonst so menschenleeren Atlas Gebirges in Marokko.

Mittagsessen in der Kasbah

Die Straße konnte man schon von weitem einsehen, sie schnitt sich in den Berg, in langen weitgezogenen Kurven. Marlene saß ganz hinten im Wagen, sie richtete sich dort mit ihren Kissen aus Marrakesch bequem ein, Doris leistet ihr Gesellschaft auf den hinteren Plätzen, Jannis wechselte sich mit Jassin unserem Guide auf dem undankbaren Mittelplatz, hart und ungefedert ab, Katharina, noch leicht magenkrank und arg leidend lag meist schlafend ans Fenster gelehnt. Uwe saß mit seinem Rucksack, mit Wasserflaschen und Toilettenpapier als Notfall vorne.

Die Fahrt war abwechslungsreich, grüne Oasen, karge Bergrücken mit immer weniger Grün, steinig und vielfarbig. Wir fuhren über zahlreiche Pässe, längst über der Baumgrenze, aber selbst dort sahen wir karge Stallungen, um die Ziegen vor der harten Winterkälte zu schützen. Ziegen sind so genügsam, aber Jassin kritisierte die Erosion, die diese Tiere mit auslösen, denn sie fressen anders als die Schafe selbst die Wurzeln und zerstören damit in großen Herden auch langfristig die Vegetation. Die Dörfer, die wir von weitem sahen, waren alle ähnlich, ärmlich, quadratische zweistöckige Häuser, mit gestampften Lehm verkleidete, zum Teil auch aus Steinen gebaut, ein höheres Minarett und überall die obligatorischen Satelitenschüsseln.

Stromkabel erschlossen auch inzwischen jedes noch so kleines Dorf, der Staat subventioniert dies, ebenso wie das Butangas, um das ungezügelte abholzen zu vermeiden. Mulis und Esel trotten und transportieren neben den Bauern auch überall Unmengen an Heu oder Gras, die die Frauen mit ihren Sicheln am Straßenrand mähen.

Unser japanische weiß Toyota, durchaus einem genügsamen Esel vergleichbar, schraubte sich langsam aber sicher gesteuert von unserem Fahrer Hammond die Kurven die Berge hinauf und sodann wieder hinab. In die von blühenden riesigen Oleander Büschen gesäumte Täler, mit glasklaren kalten Wasser, singenden Vögeln, und fruchtbaren kleinen Feldern, auf denen gebückte Frauen mit ihren Sicheln das Reife Getreide in kleinen Büscheln schneiden. Diese werden später auf den dreschplätzen in den Dörfern weiter verarbeitet, dort werden bereits die 10% für die Armen im Ort abgezweigt.

Inzwischen sind alle im Wagen müde, die Gespräche verstummten, die mächtige Fels Formation der Kathedrale kann kaum einen mehr begeistern, auch ich mache nur noch widerwillig meine Pflicht Fotos… Auch Beifahrersein kann anstrengend und sehr ermüdend sein. Ab und zu telefoniert Jassin oder Hammond, für uns völlig schleierhaft, warum und was, aber das Telefonnetz scheint gut erschlossen. selbst hier, mitten im Atlas. Telefon prepaid Karten gäbe es überall zu kaufen, so Jassin.

Mächtige Berggipfel mit knapp 3.500 Meter säumen unseren weg.

Wir sind alle hungrig, durstig und erschöpft und Sehnen die Mittagspause herbei. Aber es dauert noch ein wenig, doch wir sind wieder talwärts unterwegs, in der Ferne sehen wir bereits die nächste Kasbah mit ihren Kornspeichern. In diesen konnte die Dorfbevölkerung ihr Korn und Wertgegenstände geschützt verstauen, Wehrburgen gleich, meist an exponierten stellen auf Hügeln, die gut zu verteidigen waren. Viele sind heute allerdings aufgegeben, verwittern in den kalten Winternächten des hohen Atlas Gebirges.

In einer Kehre sehen wir ein schönes, auffällig, anderes da mit roter Farbe gestrichen Dorf direkt am Fluss, mit einer auch eine so wichtiger Post Station. Jassin spottet ein wenig, PTT bedeute Petit travaile tranquille, es scheint uns ich so, wenn wir die Männer sitzend davor bei ihren Pfefferminztee trinkend, beobachten. Doch wir fahren weiter, müssen in einer Spitzkehre sogar den Jeep zurücksetzen, um herumzukommen.

Wir Zweigen von der Hauptstraße ab, überqueren den Fluss und steuern über einen Trampelpfad ähnlichen Straße, extrem schmal, nicht geteert mit großen Schlaglöchern und beängstigendem Abgrund vorsichtig im Schritttempo zu einem nächsten Ort. Wir fahren hindurch, vorbei an verfallenden Häusern, einem sehr alten und halb zusammengefallenen Kornspeicher, vorbei an flatternden Hühnern, einzelne lachende Kinder winken uns zu, mürrische Männer schauen eher verkniffen.

Manches mal kann der Fahrer nichts mehr sehen, denn die Motorhaube ragt steil in die Höhe, so uneben ist der weg. Wir bangen alle ein wenig um unser Schicksal. Plötzlich hält der Fahrer. Mittagessen.

Tajinen im Gasthaus

Salem alleikum.

Wir betraten über kleine abgebrochene Treppenstufen ein kleines Haus, wohl ein Gasthaus in Zaouia ahanesal auf ca. 1,500 Meter. Der Gastraum wurde von einem hässlichen in gelben starken Farben, wohl industriell hergestellten Teppich dominiert .Geschäftig rannten einige ältere freundlich uns grüßende Frauen durch den Raum, baten uns Platz zu nehmen an der großen gedeckten Tisch .Die großen Wasserflaschen mit stillem Wasser standen bereits dort, auch der lockere sehr leckere Safran Kuchen, der in Marokko stets vor dem essen gereicht wird.

Die hölzerne Türe zur Küche wurde von Wind geöffnet und ließ uns einen Blick auf große Töpfe, eine saubere Küche und mehrere Köchinnen werfen. Über der offenen durchreiche hing ein Plakat des marokkanischem Gesundheitsamt, dass in Piktogrammen von rechts nach links die Köchinnen auffordert, erst die Hände zu waschen, dann das Gemüse um dann die Tajinen zu bereiten. Tripadvisor und weitere touristische Aufkleber ließen erkennen, Wir waren hier sicherlich nicht die ersten. Das Haus wurde von drei mächtigen hölzernen Pfeilern getragen, jeder grob behauen und ca. 40 cm mal 40 cm. Das Dach ruhte auf schönen quadratischen Mustern, erschaffen von unterschiedlichen dicken und angeordneten Stämmen.

Nun wurde die Tajinen hereingetragen, noch dampfend heiß, vorsichtig balancierend auf einem großen topf Untersetzer aus bastmaterial. Die untere topfschale war durch den häufigen Gebrauch schon völlig schwarz verrußt, mit stolzem Schwung hob die dicke Köchin den Deckel der Tajinen, gespannt auf unsere Reaktion. Es war ein Huhn Kartoffel Tajinen, bei der die Kartoffeln kreisförmig auf den Hühnchen teilen angeordnet ein auch optisch schönes Muster ergaben. Wir waren hungrig und begeistert.

Nur Katha war noch die leidende. Sie legte sich gekrümmt auf das an der Wand stehende Sofa, sie trank etwas Zitronenmelissen Tee, der extra für sie gekocht wurde, doch es half noch nicht. Statt Seife wurde auf der Toilette im Neuen Haus Waschpulver gereicht, dass seine Zwecke aber auch gut erfüllte. Gestärkt, satt und erfrischt starteten wir wieder unsere Tour, der Fahrer hatte inzwischen den Jeep wieder gedreht, wir wissen nicht, wie.

Kinderlachen im Tal der Glüeckseligkeit

Es ist bereits dunkel. Keine Straßenlaternen lenken von dem nächtlichen, klaren Sternenhimmel ab. Aus einzelnen Höfen weit im Tal leuchtet spärliches licht. Eine friedliches Stimmung in Ait bou.Giemes, dem fruchtbaren Bergdorf, dem Tal der glückseligen, so zumindest die Übersetzung unsers Guides. Dieses ist in einer Senke im hohen Atlas auf knapp 1.800 Meter gelegen, in Sichtweise der Baum- und trostlosen 4.000 er Gipfel.

Es ist kühl geworden, fast schon kalt, denn der frische Wind des Hochgebirges weht. Von den verstreut in der ebene liegenden Weiler klingt unbeschwertes, heiteres und glückliches kinderlachen zu uns hinauf. in die auf etwas übertrieben genannte Eco Lodge, einer echten Berghütte toda. Hier versammelte sich neben unserer kleinen Reise Gruppe noch ein französisches älteres Wanderer Ehepaar, daneben ein niederländisches, das geschwächt von anhaltenden Magen Problemen das anspruchsvolle Wander Programm nur zum Teil erfüllen kann. Der etwas untersetzte Holländer, der wenig Deutsch und nur gebrochen französisch sprach berichtete etwas gequält von Touren, die vom einheimischen Berber-Führer auf vier Stunden angesetzt wurden, hätten sie immer mind. sieben Stunden benötigt. und wären dennoch völlig erschöpft. Denn wir sind hier auf knapp 2.000 Meter Höhe, das merke man schon deutlich.

Wir erreichten das Tal nach der sehr abwechslungsreichen, langen, auch für uns als Beifahrer anstrengenden Tour vom Staudamm am morgen bei Bin-El-Quidane über die kleine R 302 nach Zaouia – Ahanesal , vorbei an massiven Fels Formationen, hohen Pässen mit sprudelnden Quellen , wunderbaren, wildromantischen Flusstälern, wo der Jeep knietief durchs Wasser musste weiter nach Tiz-n-lissi am späteren Nachmittag. Der heiße Fahrtwind wehte durch die halbgeöffneten Fenster permanent den feinen, braunen Sand, den wir später überall wiederfinden. selbst das durch die Plane eigentlich geschützte Gepäck auf dem Dach war völlig mit einer braunen sande/ Lehm Schicht bedeckt. Es war so Heiß in den Tälern, dann kaum auszuhalten auf den kargen Bergstraßen, um dann wieder rasch, auf den hohen Pässen oberhalb der Baumgrenze überraschend abzukühlen.

Nun kurvten wir durch die kleinen Weiler immer höher hinauf, am Schluss des kaum mehr erkennbaren Feldweges mussten wir sicherheitshalber aussteigen, denn es war selbst für den geübten Fahrer zu riskant geworden. Hier war es richtig kalt. Wir erreichten endlich eine schöne Berghütte, drinnen wärmte der lodernde Kamin Ofen die müden und etwas unterkühlten Wanderer, auch wir machten uns auf der großen sitzkissenecke bei den obligatorischen mürben Safran Kuchen bequem. In dem großen Raum war neben dem Kanonenofen ein weiterer großer, offener Kamin, davor abgesenkt am Boden schöne Sitzkissen, an der gegenüberliegenden Wand die große, obligatorische, mit schweren Sitzkissen gemütliche Sitzecke. in der Mitte des Raumes stand der riesengroße, massiv schwere Tisch, an dem am Abend alle 15 Personen Platz fanden und gemeinsam musizierten sollten.

Da es noch früh am Abend war, Jassin seinen alten Freund, den Koch von früheren gemeinsamen Exkursionen traf und mit ihm in seinen Weiler hinab “ spazieren “ gehen wollte, entschied sich Jannis und ich ihn zu begleiten.

Das Tal ist durch die guten Böden und das reichlich verfügbare, frische, und sehr kalte Berg Quellwasser sehr fruchtbar. Ausgeklügelte Bewässerungssysteme, die mittels einfachster holzt Schieber oder auch nur größere Steinplatten, die die einzelnen Felder wechselweise mit dem Wasser versorgen, ermöglichen eine ertragreiche Landschaft. Und dies obwohl die einzelnen Felder sehr klein sind, ob durch Realteilung erfolgt oder bewusste 5 Felder Wirtschaft konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Jedenfalls sind diese kleinsten Felder nur manuell zu bewirtschaften, einzig Mulis helfen hier und da beim Pflügen. Sonst sahen wir nur viele Frauen mit ihren Sicheln, Grasschnitt für die Tiere zu schneiden, oder das Reife Getreide in kleineren Büscheln zu binden und aufzustellen. Inzwischen bilden aber auch Apfel und Pfirsichbäume die Lebensgrundlage des Tales, die laut Jassin, dessen Vater die bäume hier begann zu kultivieren, von Großhändlern auf dem Baume hängend schon gekauft werden, ganz auf deren Risiko.

Fatima, und Malikka ,so heißen beide, sagten mir die mich freundlich anstrahlenden, etwa 14 jährigem Mädchen, die gebeugt von riesigen Grünschnitt bündeln mir auf den schmalen Kanten der Wasserkanälen zwischen den Feldern, entgegenkamen. Alle wirkten sehr freundlich, zufrieden und heiter. Auch die ganz kleinen jungen und Mädchen, die uns entgegenrannten, als wir uns dem Dorfe näherten. Stillos, stillos riefen sie mir entgegen, doch ich hatte weder welche dabei, noch sollte ich laut Jassin etwas abgeben.

Das Dorf, besser ein Weiler mit vielleicht 2o Häuser mit herrlich zusammengefügten farblich sehr unterschiedlichen, aus Felsenbrocken behauten Steinen, die so genauest passten, als ob sie maschinell erstellt wären, war blitzsauber. Die Häuser standen an Hang, steil und schräg. Sie hatten aller schiefen, scheppe und schlecht gearbeiteten Türen, die so schlecht schlossen, dass wir einen Blick hinein werfen konnten. Jedes Haus hatte einen größeren Innenhof, wohl für die Tiere, Stallungen und eine Gebäude für die Menschen. Ab und zu lugte jemand aus den vergitterten Fenstern, grüßte uns wohlwollend. Touristen sind in diesem Dorf keine Sensation mehr, denn auch später trafen wir französische Rucksackwanderer, die eines der Übernachtung anbietenden Gite’s. Ansteuerten.

So locker und schnell wie ins Dorf hinabstiegen, gestaltete sich der Aufstieg jedoch nicht. Wir spürten die Höhe jetzt deutlich, zumindest Jannis und ich. Beide Bergführer trabten uns weit voran.

Der Abend selbst war kurzweilig. Ich bekam sogar ein Dosenbier, verhältnismäßig teuer mit ca. 4 Euro, wenn ein Cola hier 50 Cent kostete. Das essen war lecker, es gab harissa, die Suppe mit Kichererbsen, dann eine sehr Große Cousous Tajinen mit Lamm und eine riesige Kartoffel Tajinen mit Hühnchen, Melonen bilden wie immer den Süßen den Abschluss. Jannis gab uns den Tipp, die süß mit etwas Salz noch zu verstärken. Alles reichte satt für die 15 Personen, obwohl die fleischmenge wohl eher wenig war. Durch die Tajinen Schichtung essen alle jedoch meist Gemüse und das Fleisch ist eher die geringere Beilage dazu. Nach dem Essen wurde Berbermusik gespielt, Jassin holte die mit Ziegenleder bespannten, flachen holzscheiben Trommeln und machte mit dem Koch sowie dem Herbergsvater richtig Stimmung. Sehr laut, melodiös und mit schönen stimmen versorgt, hatten alle auf knapp 2.000 Meter einen schönen Abend. Draußen im Tale unten, kurz vor unserem Zubettgehen, hörten wir noch immer die Kinder lachen.

Pick Nick im Riad

Die Strecke von quarzazata an den Ausläufern des Atlas Gebirges bis nach touradant, der ockerfarbenen ehemaligen Karawanenstadt war heiß, lang und langweilig. Früher, kamen hier die großen Karawanen an, nachdem sie die Sahara auf den Weg nach Westen durchquerten.

Heute jedoch, abgesehen von einem kurzen Zwischenstopp für Tee und Toilette sahen wir anfangs nur eine eintönige flache Landschaft, ehe es wieder ins Gebirge in die Ausläufer des hohen Atlas Gebirges ging. Schweigend fuhren wir Kilometer um Kilometer, bewunderten die seltsamen mit ihren vielen kleinen, gelben, an Zitronen erinnernden Früchte.

In den letzten Jahren wurde vom marokkanischen Staat eine Reihe von Kooperativen unterstützt, häufig auch nur von Frauen selbstverwaltete , die die Früchte sammeln, die Zitronenschale entfernen und den Kern zu dem berühmten Arganöl verarbeiten, das für Kosmetik und für Salate verwendet wird. Es sind wunderbare alte Bäume, mit stark profilierter Rinde, mit sehr hartem widerstandsfähigem Holz, die nur in Marokko wachsen sollen und sehr genügsam selbst in heißen unwirtlichen Gegenden große, beeindruckende Bäume hervorbringen. Auch die Ziegen lieben diese Früchte, die zuhauf auf dem Boden liegen. Überall an der Strecke wurde auf Verkaufsstände des Arganöls hingewiesen, nicht gerade preiswert übrigens, auch wie das lokal angebaute Safran, das hier für 1gramm für 3 Euro angeboten wurde, durchaus mit den deutschen Preisen vergleichbar.

Endlich kamen wir in der stehend, heißen Mittagshitze in touradant an, es war Siesta, nur wenige Menschen waren auf der Straße, die meisten Läden waren zu. Touradant ist eine kleine ockerfarbene Stadt, mit einer schönen Stadtmauer umschlossen, die zum Teil begehbar ist. Erhaltene Souks, der Große, nur abends. Belebte Platz sowie die Eingangstore durch die Stadtmauer erinnern ein wenig an Marrakesch. Schnell entluden wir den Wagen und schleppten durch kleine Seitenstraßen, vorbei am Pfefferminz Verkäufer, unsere Koffer in das kleine Riad Tafil. Es war in einer ruhigen Seitensackgasse, gelegen, mit zwei innenliegende Höfen mit Wasserbassins, die von hohen Bäumen Schatten erhielten, sehr pittoresk. Überall, waren kleine sehr orientalisch anmutende Sitzecken, schöne Wand und Deckenlampen spendeten die inzwischen so vertrauten und sehr schönen Lichteffekte. Über eine steile schmale Wendeltreppe erreichten wir unsere Zimmer, wir mit Marlene eine kleine Suite, mit einem eigenen kleinen Balkon auf den Innenhof, sowie Katha und Jannis ebenfalls mit kleinem Vorzimmer aber sehr kleinem Schlafraum, der nur mittels Schrank den Waschraum abtrennte. Auch funktionierte bei ihnen die Klimaanlage nicht so recht, entsprechend waren beide am nächsten morgen gerädert…

Nun aber, am Ankunftstag waren wir nur verschwitzt, müde und lehnten dankend das Angebot des Guides ab, nun noch die Stadt mit ihrer schönen Stadtmauer in der vollen Mittagshitze zu besichtigen. Stattdessen ließen wir uns am Bassin nieder, bestellten Getränke und Doris hatte plötzlich einen unstillbaren Heißhunger auf ein frisches tomatenrot mit Zwiebeln. Und Marlene bat um Oliven, eingelegt selbstverständlich.

Nun denn. Ich stiefelte los, kaufte dieses wunderbare Brot bei einem der kleinen Straßen Bäcker mit ihren Motionärs verkaufskarren, genauer 5 große Brötchen, und 10 süße Stückchen für knappe 30 Cent, fünf Tomaten, 3 Zwiebeln und 2 Paprika für 5 Cent in einem kleinen, sehr dunklen Laden sowie 250 Gramm eingelegte Oliven für 25 Cent bei einem lustigen, gut aufgelegtem Berber, der sogar gebrochen Deutsch sprach. Im Riad zurückgekehrt, bat ich um Teller, Salz und Pfeffer, ließ die Tomaten sehr gründlich von Katha mit Trinkwasser waschen und wir genossen unser italienischen Mittagssnack mitten in Marokko, in touradant am kleinen Wasserbassins im Schatten.

zum 2. Teil des Reiseberichtes

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